Häutung

Häutung

Ein Rollenspiel

Wir alle tragen sie – Häute die an uns haften wie ein klebriger Film, die uns einengen und begrenzen. Manche sind wie Hornhaut, die taub macht und Gefühle vermeidet, andere sind so eng, dass wir nicht mehr wissen, wie sich Freiheit eigentlich anfühlt.

Einst als Schutz gedacht, wirken sie heute dysfunktional, mitunter fast zerstörerisch. Doch wir haben sie liebgewonnen, glauben, sie seien ein Teil von uns, ein Teil unserer Identität. Fühlen uns scheinbar sicher mit ihnen. Wollen nicht ohne sie leben. Bleiben angstvoll stehen, verharren an unseren Grenzen, blicken auf die Muster hinter den Häuten, erkennen sie. Beginnen an ihnen zu ziehen. Erst zaghaft, dann mutiger, immer heftiger. Es ist ein Kampf – ein innerer, der außen sichtbar wird. Ein Kampf, der Jahre dauern kann. Der erschöpft, ermüdet. Letztendlich befreit.

Und dann stehst du nackt da. Schutzlos, ohne deine Panzer. Hängst deine Häute an den Haken, betrachtest sie und kannst selbst entscheiden, wann du sie tragen willst. Du spürst die Veränderung, denn du bist nicht mehr abhängig von ihnen.

Ein Projekt im Rahmen der Abendakakdemie der HGB

Wintersemester 2025/26

Kurs: Material und Haltung – 
Komposition, Konnotation, Kontext

Leitung: Len Bay

Kursinhalt

Material und Haltung – Komposition, Konnotation, Kontext
 

Was erzählt Material und wie können wir die ihm eingeschriebenen Bedeutungsebenen präzise für die eigene Arbeit einsetzen? Im Zentrum des Kurses stehen Fragen nach Materialkomposition, der politischen wie poetischen Dimension von Stofflichkeit, dem Verhältnis von Werk, Sockel / Hängung und Raum sowie dem Zusammenspiel von Inhalt, Form und Präsentation. Über praktisches Experimentieren, gemeinsame Reflexion und kurze Inputs werden wir uns der "Sockelfrage", dem Rahmen als Relief und der Setzung im Raum, außerhalb des „White Cubes“ annähern. Wir fragen uns: Wie verändert sich unsere Arbeit im Kontext davon, wer sie sieht? An welche Bedingungen ist die Arbeit (physisch) geknüpft? Der Kurs bietet Raum für die Begleitung individueller Projekte und eine abschließende Präsentation in Form einer Ausstellung, die wir gemeinsam kuratieren.

Ausstellungstext

ZWISCHEN // RÄUMEN

Eine Ausstellung des Kurses ‚Material und Haltung‘ der Abendakademie,
Kursleitung Len Bay

Was erzählt Material und wie können wir die ihm eingeschriebenen Bedeutungsebenen präzise für die eigene Arbeit einsetzen? Im Rahmen der Abendakademie haben die Teilnehmenden des Kurses Material und Haltung - Komposition, Konnotation, Kontext ein Semester lang politische und poetische Dimensionen von Stofflichkeit, das Verhältnis von Werk, Sockel/Hängung und Inhalt untersucht und darauf aufbauend eigene künstlerische Arbeiten entwickelt. 

Zum Rundgang der HGB präsentiert der Kurs mit der Ausstellung ZWISCHEN // RÄUMEN im Flur des Ostflügels die entstandenen Werke, die aus individuellen Prozessen des Beobachtens, Sammelns, Archivierens und Übersetzens hervorgegangen sind. Ausgangspunkt ist hier oft das Alltägliche; jene Materialien, Orte und Gesten, die sonst funktional, beiläufig oder übersehen bleiben. Die Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Objekt und Installation, zwischen Betrachtung und Beteiligung. Einige Positionen nutzen den Bibliotheksflur und dessen markantes Interieur selbst als Display und erweitern dieses als Teil der eigenen Arbeit. Andere laden die Besuchenden ein, aktiv zu werden und selbst vorübergehend Teil ihrer Installation zu sein. Die Arbeiten verbindet, dass sie Material nicht als reinen Träger von Form, sondern Ausgangspunkt inhaltlicher Setzungen verstehen.

Interne Dokumentation - INSPIRA, Fachklinik für Integrative Psychosomatik

Patient: Francois O.
Datum: 12.12.20225

F. wirkt bedrückt, fast verzweifelt. Wieder hat er es nicht geschafft etwas für sich zu tun. Kein Modellbau, keine Joggingrunde. Wieder war er als Retter unterwegs. Für seine Freundin. Gegen die eigene Ohnmacht. Als Helfer für den Nachbarn. Um Wert und Bedeutung zu spüren. Als Therapeut für den Kollegen, der sich gerade in Trennung befindet. Ich fühle dich, ich vergesse mich.

Eher Trauer als Wut füllen den Raum.
F. kennt diese Muster schon lang. Wie eine zu enge fremde Haut trägt er den Retter, den Helfer, den Therapeuten. Als Schutz, als Panzer. Wogegen. Die Angst.

Gegen die Angst vor … vor was eigentlich? Ich spüre Wut. Eine Kraft, die F. brauchte, sich seiner fremden Häute zu entledigen.